Gefährdungsbeurteilung
Der Arbeitgeber muss die für die Versicherten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen ermitteln und festlegen, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes daraus resultieren.
Bei Tätigkeiten mit Isocyanaten können konkrete Vorgaben zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und zur Festlegung von Maßnahmen nach dem Stand der Technik der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 430 entnommen werden.
Isocyanate können am Arbeitsplatz vorwiegend über die Atemwege, aber auch über die Haut in den Körper gelangen. Sie können zu Sensibilisierungen führen und sind damit Ursachen von berufsbedingten Atemwegs- und Hauterkrankungen.
Bei der Gefährdungsbeurteilung sind neben dem Kleber und seinen Inhaltsstoffen auch die unterschiedlichen Temperaturen des PUR-Schmelzklebers bei den entsprechenden Tätigkeiten zu berücksichtigen, beispielweise beim Befüllen der Maschine, beim Leimen, bei der Instandhaltung und beim Reinigen der Maschine. Zudem sind thermische Gefährdungen, zum Beispiel beim Kontakt mit heißen Oberflächen am Leimbecken, sowie mechanische Gefährdungen zu berücksichtigen.
Beim Aufschmelzen von PUR-Schmelzklebstoffen entstehen oberhalb 70 °C gasförmige Emissionen mit flüchtigen Zersetzungsprodukten. Das Gefährdungspotenzial hängt von der Einstufung des PUR-Schmelzklebstoffes, der Konzentration der Diisocyanate im Gemisch sowie von der Verarbeitungstemperatur und -menge ab.
Bei der Verarbeitungstemperatur gilt, dass durch eine höhere Temperatur die Emission beziehungsweise die Freisetzung von Diisocyanaten zunimmt. Oberhalb von 100 °C nehmen diese stark zu, bei 150 °C hat sich die Freisetzung bereits mehr als verzehnfacht Eine erhöhte Exposition kann bei der Durchführung von Reinigungsarbeiten am heißen Leimwerk außerhalb der Maschine oder bei anderen Reinigungsarbeiten unter Erwärmung des PUR-Schmelzklebstoffes auftreten. Weiterhin können erhöhte Expositionen bei manuellen Tätigkeiten auftreten wie beim Fasswechsel, der Entsorgung leerer Fässer und bei Entstörungsarbeiten.
Beim Aufnahmeweg über die Haut sind alle Tätigkeiten zu berücksichtigen, bei denen ein direkter Hautkontakt mit isocyanathaltigen Produkten besteht. Dazu zählen am Klebebinder beispielsweise das Öffnen von Verpackungen, das Handling des Granulats oder der Kerzen beim Befüllen des Vorschmelzgeräts.
Weitere Hautkontaktmöglichkeiten können z. B. beim Reinigen des Leimbeckens sowie der Abnahme fertiger, noch nicht vollständig ausreagierter Produkte auftreten. Die potenziellen Gefährdungen für den Aufnahmepfad Haut werden durch die Einstufung des PUR-Schmelzklebstoffes, die Verarbeitungstemperatur und Verarbeitungsmenge sowie die Konsistenz bestimmt.
- Webcode: 26389378
Diesen Beitrag teilen